Während ich mich im Studium noch mit den Themen vom Mensch und seinem Verhalten in unserer Umwelt sowie der Umsetzung von
Konflikten in Farben beschäftigte, rückte der Studienabschluss an sich andere Themen in den Vordergrund. Zwischenmenschliche Konflikte
und Unzulänglichkeiten drängten sich plötzlich auf und ein Abstand zu diesen Themen war in Folge der direkten Teilnahme an der
Gesellschaft nicht mehr gegeben.
Die Darstellung des Menschen innerhalb der Gesellschaft folgte jetzt nicht
mehr abstrakten Überlegungen sondern bezieht sich heute auf
reale Beobachtungen.
Insbesondere der Wandel der Werte, des Umgangs miteinander, der
Verlust der lokalen Identität auf Grund der starken Wanderbewegungen
der arbeitenden Bevölkerung, die veränderte Sicht auf Kirche und Staat bringen die neuen Bilder hervor.
Die Hauptpersonen der ersten Bilder sind auffällig beleibt. Dies soll darauf hinweisen, das sich die Sicht auf das Äußere und seine
Bewertung stark gewandelt haben.
Noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts waren übergewichtige Menschen die Seltenheit, heute ist es ein Problem, ja verpönt überdurchschnittlich viel Gewicht auf die Waage zu bringen, aber selten ist
es keineswegs mehr.
Während alle Bevölkerungsgruppen zu Sexsymbolen mutierten, blieb der dicke Mann außen vor. Er wird eher als Neutrum wahrgenommen, eventuell noch als Witzfigur, aber tendenziell abschätzig.
Die neutrale Funktion mache ich mir zunutze, um möglichst auf den Kern des Menschseins zu kommen. So ist es mir möglich gewohnte Ansichten
neu darzustellen und den Betrachter die Möglichkeit zu geben eine neue Perspektive einzunehmen. Nah an der Funktion künstlerischen Schaffens im Erkennen des Wesens der Sache durch das Werk selbst.
Die Thematik an sich bringt es mit sich, dass diese Darstellungen eigentlich
keiner täglich um sich haben möchte, da immer die Kritik des Einzelnen an sich selbst bei der Betrachtung mitschwebt, auch die Kritik an meiner
eigenen Sehweise übrigens. Nichts desto trotz finden sich diese Bilder in mir und sind das Ergebnis meines Lebens und den damit verbundenen Beobachtungen.
Wer sich jetzt fragt, warum ich nicht wenigstens ausstelle, dem kann ich nur antworten, dass dies mich zu nah an den Betrachter bringt und
an des Gespräch mit ihm und damit an seine Erwartungen.
Diese Erwartungen jedoch stehen der unmittelbaren künstlerischen Arbeit entgegen. Sich in den Betrachter hineinzuversetzen und
womöglich zu malen, was er gerne sehen möchte kann nicht die Aufgabe des Malers sein, davor muss ich mich schützen.
In der Konsequenz vermeide ich inhaltliche Gespräche über Malerei auch mit Kollegen und überlasse diese Kunstinteressenten. Faktisch
habe ich meine Arbeit als Malerin vollständig von finanziellen Überlegungen getrennt.
Wer sich dennoch eines meiner Bilder für die tägliche Ansicht erwerben will hat hier die Möglichkeit. Und erfreut mich selbstverständlich auch
mit seinem Kauf.
Meinen Lebensunterhalt jedoch verdiene ich in anderen, nicht künstlerischen Bereichen.